Frag den Berger #17 Die (schnelle) Mauser nach der Reise

Sehr geehrter Herr Berger, in Heft Nr. 27 Die Brieftaube haben Sie sehr gut deutlich gemacht, wie man Jungtauben „belichten“ kann, um den Mauserstand günstig zu beeinflussen. Auch das „Verdunkeln“ haben Sie als sehr wirksam für den Mauserstand be- schrieben. Ich habe meine Jungtauben in diesem Jahr zum ersten Mal „verdunkelt“ und anschließend „belichtet“. Die Jungen stehen „voll im Saft“ und haben größtenteils noch keine einzige Feder geworfen. So langsam bekomme ich aber Bedenken, ob die Tauben nach der Jungreise überhaupt noch genügend Zeit haben, um durchzumausern. Soll ich das „Belichten“ jetzt besser beenden, damit die Mauser schnel- ler in die Gänge kommt? Oder was kann ich machen, damit die Jung- tauben nach der Reise noch möglichst schnell durchmausern können? Kann ich die Mauser mit bestimmtem Futter oder mit Ergänzungsmit- teln beschleunigen? Und kann das neue Federwerk, das dann ja sehr schnell wächst, qualitativ eigentlich so gut sein wie Federn, die in der „natürlichen“ Zeit gewachsen sind? Klaus aus Osnabrück

Wer seine Tauben belichtet, sollte dies mindestens bis zum Ende der Wettflüge beibehalten. Denn jetzt Ende August und Anfang September stehen ja die letzten und damit wei­ testen Jungtierflüge im Mittelpunkt. Viele Vereinigungen haben ihr Jung­ tierprogramm durch die große Hitze im Juli und damit offensichtlich ver­ bundenen Problemen wohlüberlegt nach hinten verschoben. Daher sind auch noch Mitte bis Ende September Jungtierflüge angesetzt. Auch oder gerade bei „freien Wettflügen“ sind die Ziele mit einer erfolgreichen Teilnahme verbunden, was ja zu al­ lererst einmal eine wohlbehaltene Heimkehr bedeutet. Deswegen möchte ich jedem empfehlen, bis Abschluss der Reise zu belichten.
Das Kürzerwerden der Tage führt ansonsten hormonelle Änderungen hervor. Diese führen dazu, dass die Tauben nicht ihre volle Leistungsfä­ higkeit abrufen, energieschonender und damit langsamer nach Hause fliegen.SiefliegensomitmitBeginn der Hauptmauser nicht mehr an der Leistungsgrenze. Die erste Priorität liegt in der Bildung des neuen Gefie­ ders. Jedwede Schäden oder Macken können zu abgebrochenen Federn oder stärkeren Beeinträchtigungen der Wärmeregulation usw. führen. Dies will die Natur nicht, und so wird die Energie zulasten der Ge­ schwindigkeit in die Neubildung des Gefieders gesteckt.
Zudem möchte ich noch einmal hervorstellen: Tageslicht ist ein ganz großer Förderer der Form, was für das Belichten spricht, denn Jungtau­ ben in großer Form bestechen mit langanhaltender Flugfreude am Haus und möglichen Spitzenleistun­ gen auf Wettflügen – und dies sehr oft auch ohne extra Privattraining.
Die Synchronisation der Mauser im Jahresverlauf wird durch kom­ plexe Mechanismen bewirkt. Wahr­ scheinlich sind mehrere Hormone an der Steuerung beteiligt. Sexual­ hormone wirken vermutlich mau­ serhemmend. Am Ende der Fort­ pflanzungsperiode sorgt vor allem das Schilddrüsenhormon Thyroxin für eine erhöhte Blutversorgung und Vorbereitung der Federanlagen (Follikel) wodurch der jeweilige Fe­ derwechsel eingeleitet wird. Das Zu­ sammenwirken von Thyroxin mit den Sexualhormonen kann aber nicht alleine ausschlaggebend sein, da auch während der Brutzeit, das heißt bei einem relativ hohen Spie­ gel an Sexualhormonen, Tauben mausern. Andere Hormone wie das Prolaktin und das Progesteron scheinen auch einen Einfluss zu ha­ ben. Über die hormonellen Zusam­ menhänge ist aber bis heute doch noch relativ wenig bekannt gewor­ den.

Nach der Reise

Bezüglich der Belichtung gibt es nach der Reise zwei Möglichkeiten: Entweder schaltet man die Zusatzbelichtung einfach aus, was einen wesentlich kürzeren Tag von heute auf morgen bedeutet, oder man re­ duziert die Tageslänge schrittweise und gleicht somit die Tageslänge langsam der natürlichen „Photope­ riode“ wieder an. Ich persönlich be­ vorzuge die zweite Variante. Aus­ schlaggebend ist die oben genannte Ausgangsfrage, ob verdunkelte und belichtete Tauben noch genug Zeit haben, die Mauser abzuschließen. Viele solcher Jungtauben haben Mit­ te September erst ein oder zwei Handschwingen geworfen. Durch das schrittweise verkürzen der Ta­ geslänge kann man die Mauserperi­ ode über den Dezember hinaus verlängern. Denn normalerweise beenden unsere Tauben im Dezem­ ber ihre Mauser. So gehaltene Tau­ ben mausern auch noch im Januar und Anfang Februar die letzten Handschwingen – ohne Nachteile für die kommende Saison.
Neben diesen Managementmög­ lichkeiten gibt es folgende Optionen die Mauser zu beschleunigen:
■ Freiflug einschränken
■ Geschlechter trennen
■ Nährstoffversorgung optimieren ■ Gefiederpflege sicherstellen
Freiflug, auch wenn dieser nur am Haus stattfindet, kostet immer Ener­ gie. Wenn man die Jungtauben ein­ fach nicht mehr frei fliegen lässt, kann und wird alle Energie in den Gefiederwechsel gesteckt, wodurch die Tauben viel schneller mausern. Auch die Trennung der Geschlech­ ter schont Energie, und eine zügige­ re Mauser wird erreicht. Die Mauser und damit verbundene Gefieder­ pflege machen die Tauben selbst. Gerade für den Federwechsel ist es sehr nützlich, die Tiere mit wertvol­ len Salzen zu unterstützen. Unsere Tauben übernehmen durch regel­ mäßiges Baden und Putzen den größten Teil ihrer Gefiederpflege selbst. Wir haben nichts weiter zu tun, als für eine optimale Versor­ gung und einen Badezusatz mit ei­ nem wirksamen Repellent zu sor­ gen, denn durch Insektenfraß geschwächte Federn brechen leicht ab. Jedoch ist das Fliegen mit samti­ gem Federkleid viel kraftsparender, und Spitzenplatzierungen auf einem Wettflug wahrscheinlicher. Eine zu­ sätzliche Bademöglichkeit mit geeig­netem Badezusatz mit Repellent un­ terstützt dabei die Gefiederpflege, indem auch Ektoparasiten durch das Badewasser ferngehalten werden. Solch ein Bad sollte auch häufiger angeboten werden, als nur einmal in der Woche.

Schwefelhaltige Aminosäuren

Eines ist auf jeden Fall unbestrit­ ten, die Brieftaube hat in den nächs­ ten Wochen aufgrund des Feder­ wechsels einen stark erhöhten Bedarf an den schwefelhaltigen Aminosäuren Methionin und Cys­ tin. Denn die Feder enthält circa 8 % schwefelhaltige Aminosäuren. Das ist ein wirklich richtig hoher Gehalt! Wenn also jetzt Federn in großer Menge neu gebildet werden, müssen die dafür notwendigen Baustoffe über die Nahrung zugeführt werden. Wenn man die Gehalte der Körner­ mischungen analysiert, sieht man, dass der Gehalt der wichtigen Ami­ nosäuren Methionin und Cystin fast immer unter 0,2 % liegt – ein äußerst geringer Wert. Selbst spezielle Mau­ sermischungen haben keinen höhe­ ren Gehalt, obwohl man dies beson­ ders für die Mauser ja erwarten müsste. Die Folge ist, dass die für das Federwachstum notwendigen Bau­ steine aus einer größeren Menge Futter gewonnen werden müssen. Die Tauben müssen also mehr Futter
aufnehmen, was eine höhere Stoff­ wechselbelastung ist und zu einer Verfettung führt. Bei optimal er­ nährten Tauben kann man immer ein ausgeglichenes Körpergewicht feststellen, auch im Winter bezie­ hungsweise während und nach der Mauser. Hier trennt sich meines Er­ achtens schon die „Spreu“ der Züch­ ter vom „Weizen“, weswegen die Aussage „im Herbst und Winter werden die Preise gemacht“ berech­ tigt ist.

Dies führt uns zurück zur Ausgangsfrage, wie man die Mauser mit Futter oder Ergänzungsfuttermitteln beschleunigen kann

Um den erhöhten Mauserbedarf für die Federbildung optimal abzu­ decken, kann die Fütterung mit Mauserpräparaten ergänzt werden. Hauptsächlich sollte man den Ge­ halt der Aminosäure Methionin be­ achten, wie er zum Beispiel in der flüssigen Mauserhilfe „Taubengold“ mit 2 % enthalten ist. Sedochol, das von vielen Züchtern für die Mauser angewendet wird, enthält 1 % Me­ thionin. Vorteil vom Sedochol ist, dass es durch die zusätzlich enthalte­ nen und sogenannten „Methylgrup­ pendonatoren“ die Leber, welche in der Mauser stark beansprucht wird, sehr gut unterstützt. Neben Ergän­ zungsfuttermitteln sollten im Futter die Komponenten wie Hanf, Raps, Sesamsaat, aber auch die eiweißrei­ che Sojabohne besonders enthalten sein. Schwer verdauliche Erbsen oder Wicken belasten bei höheren Gehalten nur die Tauben. Eine Füt­ terung von Schwefelblüte bringt lei­ der gar nichts, da der darin befindli­ che Schwefel als Eiweißbaustein zur Verfügung steht.
Eine Mauserhilfe sollte aber im­ mer möglichst regelmäßig gefüttert werden. Denn die wichtigen Amino­ säuren können von der Taube nur bedingt gespeichert werden. Die Fe­ der jedoch wächst jeden Tag und be­ nötigt daher auch regelmäßig die für das Wachstum notwendigen Bau­ steine. Eine Zufütterung kann prak­ tischerweise über die Tränke oder auch über das Körnerfutter erfolgen. Die Fütterung über die Tränke hat den Vorteil, dass bei den meisten Züchtern heutzutage doch eine täg­ liche Reinigung der Tränken statt­ findet und damit eine ausgespro­ chen gute Hygiene gegeben ist. Über das Futter muss man dafür sorgen,
dass der Futtertrog auch oft gründ­ lich gereinigt wird, was ich dann aber in der Praxis weniger oft sehe. Neben der Versorgung mit Methio­ nin sollte für die Mauser aufgrund der höheren Stoffwechselbelastung auch eine regelmäßige Versorgung mit Multivitaminen stattfinden.
Auch die Versorgung mit Minera­ lien darf jetzt nicht vernachlässigt werden, wobei ich empfehle, die Mi­ neralien möglichst täglich mit klei­ neren Mengen zu füttern. Nur so kann man die Taube dazu anregen, die notwendigen Mengen auch öf­ ters aufzunehmen. Am besten wird die Menge dem Bedarf der Tauben angepasst, indem nur so viel gereicht wird, wie bis zum nächsten Tag auf­ genommen wird. Dadurch werden die Tauben täglich dazu angeregt, die lebenswichtigen Mineralien auf­ zunehmen.
Neben der Versorgung mit den lebenswichtigen Nährstoffen muss die Gesundheit natürlich kontrol­ liert werden. Für die präventive Ge­ sundheitskontrolle haben sich heute
einige gute Trinkwasserpräparate durchgesetzt. Säuren können übri­ gens auch sehr gut mit Aminosäure­ präparate in einer Tränke verab­ reicht werden, wodurch eine echte präventive Gesunderhaltung einfach und preiswert möglich ist. Damit ist nicht ein unkontrollierter Medika­ menteneinsatz zu verstehen, denn gerade dadurch kann es zu Mauser­ störungen kommen. Sind die Tiere in einem einwandfreien Gesund­ heitszustand, muss dieser nur kon­ trolliert werden, um einen reibungs­ losen Ablauf der Mauser zu gewähr­ leisten.
Abschließend möchte ich noch einmal betonen: Eine schnelle und reibungslose Mauser stellt die Grundlage für eine erfolgreiche Rei­ sesaison dar. Denn die Feder ist nun mal das Handwerkszeug unserer Tauben. Also sollten wir doch einige Anstrengungen unternehmen, da­ mit unsere Tauben diese wichtige Lebensphase bestens meistern.

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