Frag den Berger #14 (Jungtierkrankheit, Alttauben)

… und zwar geht es darum, dass bei uns in der RV zurzeit das Thema Jungtierkrankheit bei Alttauben in aller Munde ist. Ein Sportsfreund hat z.B. kranke Tauben (ganzer Bestand mit Reise und Zuchttauben) mit folgenden Symptomen: starkes Abmagern, dicke Kröpfe z.T. mit Rachenentzündung und Schleimbildung, heiße Füsse und Körper als ob Sie Fieber hätten. Das eigentliche Phänomen des Erbrechens ist jedoch so gut wie noch gar nicht vorgekommen.

Der Tierarzt hat daher keine klare Diagnose stellen können, eher auf eine Vergiftung getippt und Amoxicillin verschrieben. Es stellt sich jedoch seit 2 Wochen keine wirkliche Verbesserung ein und somit stellen wir uns folgende Fragen:

Muss bei der Jungtierkrankheit auch „Erbrechen „ dazugehören?
Könnte eine Blutabnahme eine genauere Diagnose ergeben?
Was für ein Medikament / Behandlung würdest Du im Falle der Jungtierkrankheit empfehlen?

Ich weiss natürlich, dass eine Ferndiagnose so nicht möglich ist, würde mich aber sehr über eine Einschätzung von Dir freuen.

Sehr geehrter Sportfreund,

zum genannten Problem kann ich folgendes beitragen.

Seit etwa vier Jahren beobachten wir von Jahr zu Jahr eine Häufung von Krankheitssymptome bei Alttauben, vergleichbar mit denen der Jungtierkrankheit während der Alttierreise.

Auch wenn die Symptome gleich oder zumindest sehr ähnlich sind, ist für die Vielzahl der Fälle keine einheitliche Diagnose dokumentiert. Die Maßnahmen wurden ähnlich der Behandlung der „Jungtierkrankheiten“ durchgeführt. Und das aber auch mit einem guten und schnellen Behandlungserfolg. Ich kenne viele Züchter die trotz Symptomen ihre Tauben erfolgreich am Wettfluggeschehen teilnehmen lassen konnten. Das bedeutet, dass die Tauben die gesundheitliche Einschränkung (Krankheit) sehr schnell überwunden haben. Oftmals waren die anschließenden Reiseleistungen sogar besser als zuvor.

Bislang hatte ich aber den Eindruck, dass eher erfolgreichere Züchter betroffen waren. Das kann aber auch ein nicht repräsentativer persönlicher Eindruck von mir sein.

Die mit der Frage im Zusammenhang geschilderten Probleme werden aktuell deutlich gehäuft und quer durch die gesamte Republik beobachtet. Anscheinend ist der Krankheitsverlauf in vielen Fällen auch deutlich gravierender als bisher. Selbst hatte ich bei unseren eigenen Alttauben bislang noch keine derartigen Probleme.

Nach meinem derzeitigen Kenntnisstand ist die Ursache für die Symptome nicht eindeutig beschreiben. Wahrscheinlich ist es ähnlich wie bei der Jungtierkrankheit ein Zusammenkommen von verschiedenen Faktoren. Also eine so genannte Faktorenkrankheit. Daher würde ich ein Erbrechen wie bei den Jungtierkrankheiten auch nicht zwingend erwarten, obgleich dies bisher nach meinem Wissen immer die zuerst genannte Symptomatik war, die bei Alttauben die letzten Jahre wie beschrieben beobachtet wurde.

Neben bakteriologisch bedingten Faktoren kann auch eine Virusinfektion dabei eine Rolle spielen. Dies ist zwar bedeutend für die Medizin, wenn ich es als Züchter betrachte aber im Grunde nicht so entscheidend, es sei denn es wäre ein Virus beteiligt gegen den wir impfen können. Ansonsten kann man im Bezug auf virale Infektionen nur durch eine sinnvolle „Aktivierung“ des angeborenen und erworbenen Immunsystems die Tiere im Vorfeld stärken.

Vor diesem Hintergrund möchte ich gerne folgende Empfehlungen aussprechen.

Krankheiten werden immer durch einen erhöhten Infektionsdruck und/oder reduzierten Immunität (Abwehr) ausgelöst. Dies gilt insbesondere für Faktorenkrankheiten, also auch für fakultativ krankmachende Keime. Fakultative Keime können bei normaler Immunität keine Krankheiten auslösen. Erst im Zusammenhang mit einer Immunschwäche und/oder hohem Infektionsdruck werden diese zu Krankheitsfaktoren.

Um nun diesen Problemen Vorzubeugen muss man zwei Dinge ganz klar hervorheben.

1. Infektionsdruck senken
2. Immunität stärken

Zu 1) Da die Menge an krankmachenden Keimen (Infektionsdruck) jeden Krankheitsverlauf entscheidend beeinflusst, ist es eindeutig so, dass man in der Wettflugphase, also in der Zeit der höchsten Belastung und größten Stressoren, den Infektionsdruck senken sollte. Dies stellt unmittelbar eine Maßnahme zur Vorbeugung dar. Hierfür gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten die jeweils schon für sich und zusammen sehr wirksam sind.

Zu 2) Körperliche Höchstleistungen führen immer zu einem geschwächten Immunsystem. Diesen allgemeinen Zusammenhang kennen wir alle von Spitzensportlern, die wesentlich infektionsanfälliger sind als andere Personengruppen. Gerade deswegen sollte es unser Ziel sein, dass unsere Reisetauben vor der Wettflugsaison ein starkes Immunsystem ausgebildet haben. Dies bezieht sich auf die angeborene sowie vor allem auch auf die erworbene Immunität. Gerade für die erworbene Immunität ist es aber enorm wichtig, dass sich die Tauben mit Krankheitserregern auseinandersetzen konnten. Also in den Zeiten außerhalb der Reise ist eine Auseinandersetzung mit krankmachenden Keimen sogar erwünscht, führt dies doch zu einer größeren Immunität.

Aber auch die Reaktionsgeschwindigkeit des Immunsystems, also die Geschwindigkeit in der Abwehrzellen (weiße Blutkörperchen) und Antikörper etc. gebildet werden können sowie ein hohes Zellteilungspotential sind wichtige Größen, um besonders schnell und effektiv auf sämtliche Irritationen die die Gesundheit beeinträchtigen können zu reagieren. Auch hier sind in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht worden und somit stehen uns interessante Optionen für diese Herausforderung zur Verfügung.

Zusammenfassend geht es also darum die Taube in der Wettkampfphase so wenig wie möglich mit Krankheitskeimen und fakultativen Keimen zu belasten sowie die Immunität so effektiv wie möglich auszubilden, zu unterstützen und stärken.

Das genannte steht aber zuerst einmal für den präventiven Bereich. Wir wollen zuerst einmal verhindern, dass es zu solchen Symptomen/Krankheitsausbrüchen kommt.

Im Akuten Fall, wie bei dem betroffenen Züchter ist die Situation deutlich schwerwiegender. Denn hier geht es darum, eine ausgebrochene Krankheit möglichst schnell zu kurieren.

Vor jeder Behandlung sollte im Grunde eine eindeutige Diagnose stehen. Da dies aber aus vielen Gründen langwierig ist, hier sei nur die Zeit für einen notwendigen Resistenztest genannt, und man in der Reise bzw. bei diesen sehr schnell verlaufenden Krankheiten keine Zeit verlieren sollte, müssen betroffene Bestände unmittelbar eine Behandlung beginnen. Da bei den genannten Krankheiten die eigentlich harmlosen E.coli Bakterien eine bedeutende Rolle haben, sollte ein gegen E.coli wirksames Antibiotikum verabreicht werden. Solange keine eindeutige Diagnose und Resistenzergebnisse vorliegen, würde ich ein weiteres Breitbandantibiotikum zusätzlich empfehlen. Auch eine Anwendung eines gegen Trichomonaden und Hexamiten wirksamen Imidazol ist sicher sinnvoll. Dies steht aber mehr im Zusammenhang mit den Erkenntnissen aus der Behandlung der Jungtierkrankheiten.

Bei den genannten Symptomen wie u.a. Abmagern müssen auf jeden Fall auch Salmonellen ausgeschlossen werden. Dies könnte auch über eine Blutuntersuchung (es werden Antikörper gegen Salmonellen untersucht) erfolgen. Ansonsten ist die Blutuntersuchung nur eine etwas andere Form zur Diagnose. Im Grunde ist sie nicht wirklich notwendig und wird, wie ich vermute keine anderen Erkenntnisse bringen.

In der folgenden Aufstellung nenne ich dir ein Paar sinnvolle Produkte und Präparate von uns für eine biologische und natürliche, aber gut wirksame Reduzierung des Infektionsdrucks:

–  Avidress® Plus, täglich 5 ml pro 1 Liter Trinkwasser
–  UsneGano, Bartflechten Oregano Mix, 2-3x pro Woche, die ätherischen Öle haben eine keimreduzierende Wirkung und fördern die Verdauungstätigkeit.
– , zur probiotischen Reinigung des gesamten Schlages vor der Reise oder auch bei akuten Krankheitsausbrüchen.
–  Avibac® Stabilizer -Taubenschlag Stabilisator-, zum anschließenden mikrobiologischen Management, das heißt, durch die regelmäßige Ausbringung der gewünschten probiotischen Bakterien im Schlag, die Tauben dürfen damit auch benetzt werden, werden patogene Bakterien in ihrer Vermehrung gehemmt und somit reduziert.
– , täglich 2-4 gr. pro Taube. Zur Senkung des Keimdrucks ist hier die Vorstufe des natürlichen und äußerst bakteriziden Wirkstoffs Allicin enthalten. Dieser wird nach Wasseraufnahme erst im Kropf gebildet und entfaltet dann dort seine bakterizide Wirkung.

Die folgende Aufstellung sind Produkte und Präparate zur Stärkung des Immunsystems:

– , dieses Arzneimittel sollte kurweise über 4 Wochen vor der Reise verabreicht werden. Auf Basis von rotem Sonnenhut ist dies eine echte Immunstimulanz!
– , am Einsatz- und Flugtag. Dieses homöopatische Arzneimittel ist auch Immunstimulierend und sorgt in der Reise zudem für einen gestärkten Muskel- und Bandapparat.
– , täglich 2-4 gr. pro Taube. Der wichtige Bestandteil Biosfour B4 PSB Komplex ist besteht aus den vier Einzelbausteinen der Chromosomen und sorgt für ein hohes Zellteilungspotential und steigert wissenschaftlich belegt das Immunsystem.

Also zusammen fassend und konkret würde ich folgendes machen:
Täglich bis zum Abklingen der Symptome zur natürlichen Keimreduzierung:

1. statt 5 ml jetzt 10 ml Avidress® Plus pro 1 Liter Trinkwasser
2. zusätzlich 3 ml UsneGano pro 1 Liter Trinkwasser
3. 10 Gramm pro Taube und Mahlzeit (aber nur im akuten Fall für 2-3 Tage), danach 2 gr. Pro Taube.
4. Avibac® Stabilizer -Taubenschlag Stabilisator- täglich im Schlag versprühen, auch direkt auf die Tauben sprühen, so dass diese etwas nass werden. Dies unterstützt die Verdrängung der patogenen Bakterien und reduziert den Infektionsdruck. Man kann Avibac Stabilizer auch über das Futter verabreichen. Das ist auch eine Möglichkeit das Darmgleichgewicht wieder herzustellen.

Dann würde ich eine medikamentöse Behandlung mit einem gut verträglichem Antibiotikum übers Futter machen. Eine gute Wirksamkeit gegen E.coli sollte gegeben sein. Wenn nicht direkt eine Verbesserung eintritt sollte zusätzlich ein Imidazol und eventuell ein zusätzliches Breitbandantibiotika eingesetzt werden.

Soweit meine Meinung dazu.

Zu aller letzt fällt mir aber noch ein Produkt ein, welches wir für Pferde neu auf den Markt gebracht haben. Und zwar ist das ein Perlgranulat mit dem Namen Speed . Dies ist für die Regeneration und Immunität sehr interessant. Jedoch habe ich erst wenig Erfahrungen bei Tauben damit gesammelt.

Ich hoffe damit etwas helfen zu können und wünsche noch eine gute Reisesaison.

4 thoughts on “Frag den Berger #14 (Jungtierkrankheit, Alttauben)

  1. Ich züchte Arabische Wammentauben (Rassetauben). Seit 4 Jahren tritt die Jungtierkrankheit bei mir auf. Bisher im Zeitraum Oktober/November.
    Die Tauben erbrechen, haben Atemnot und setzen dünnen gelblichen Kot ab. In diesen Zeitraum hatte ich kaum Todesfälle zu verzeichnen. Arznei wurde nicht angewendet. 2016 trat die Krankheit am 20 .08. auf. Ziemlich heftig. Von 80 Jungtauben starben 6 Tiere innerhalb von 3 Tagen. Ich habe den Bestand durchseuchen lassen, derzeitig ist noch eine Jungtaube erkrankt. Keine Alttiere betroffen.
    Viele Grüße Falk Busch

  2. Hallo Herr Berger, da ich jedes Jahr Probleme mit den Jungtierkrankheit bei den Jungen habe, wollte ich sie mal fragen was im Moment das beste zu “Vorbeugung ” von ihnen empfohlen wird. Ich probiere wirklich jedes Jahr etwas um die Jungen zu stärken, aber leider tritt
    diese Seuche in jedem Jahr auf.

    1. Hallo Norbert,
      vielen Dank für deine Nachricht. Deine Frage wurde an Herrn Berger weitergegeben und wird im nächsten Live-Stream auf Facebook veröffentlicht.

      Beste Grüße und guten Flug

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