Frag den Berger #15 (Reisetauben, Stimulation, Mauserverlauf)

Kann ich auch meine Reisetauben zur Stimulation belichten, ohne negative Einflüsse auf den Mauserverlauf während der Reisezeit?

Der Mauserverlauf unserer Brieftauben wird durch die Veränderungen der Tageslängen beeinflusst. Dabei beeinflusst das Verkürzen des Tages die Hauptmauser, also die Mauser des Deck- und Kleingefieders. Das Verlängern hat Einfluss auf das Werfen der Handschwingen, insbesondere das Werfen der ersten Handschwinge, was wir heute bei unseren Reisetauben ja erst möglichst spät sehen wollen. Grund dafür ist, dass die Tauben auch noch bis zum Ende der Reise einen vollen Flügel haben.

Bei Reisetauben die im Winter züchten sollen Würde ich also aus dem vorgenannten Grund den Tag nicht künstlich verlängern.

Man kann die Reisetauben aber auch ohne Tageslichtverlängerung anpaaren und züchten lassen. Es braucht aber viel mehr Zeit bis die Weibchen zum Legen kommen und das wird auch noch relativ ungleichmäßig sein. Also einige Weibchen legen vielleicht schon nach 10 Tagen während andere erst nach drei Wochen oder noch später zum Legen kommen. Wer damit keine Probleme hat, kann ohne jede Tageslichtverlängerung arbeiten. Das Problem ist, dass im Winter, also also außerhalb der Fortpflanzungsperiode und kurzen Tagen die Keimdrüsen im Ruhezustand sind. Erst durch entsprechende Hormone im Eierstock bringen die Eizellen zum heranreifen und letztlich durch den Paarungsreiz zum Eisprung.

Wer Eier von den belichteten Zuchttauben zu den Reisetauben umlegen will, muss die Reisetauben früher Paaren, also etwa 3-5 Tage zuvor. Optimal vorbereitete Zuchttauben die auch zusätzlich belichtet wurden werden bei normalem Verlauf nach 8-10 Tagen legen. Insbesondere bei sehr gut vorbereiteten Zuchttauben ist die Legeperiode fast synchron und das erste Ei liegt bei allen Paaren in einer Periode von wenigen Tagen im Nest! So sollte es auf alle Fälle auch bei einer Winterzucht sein.

Das unregelmäßige Legen ohne Belichtung ist für den weiteren Verlauf der Vorbereitungen für mich problematisch. Die zuerst gelegt haben benötigen mit dem früheren Schlupf und spätestens mit dem Beringen der Jungen deutlich mehr Futter. Es muss also zusätzlich gefüttert werden. Die Tauben die noch Brüten nehmen dann deutlich mehr Futter auf und werden so ungewollt Gewicht zunehmen. Wenn die ersten Jungen abgesetzt werden sind in anderen Nestern noch kleine Junge. Auch hier ist eine Gruppe immer „Überversorgt“. Eine gleichmäßige Gruppe ist in meinen Augen also immer viel besser und sollte angestrebt werden.

Wenn keine Weibchen zum Reiseeinsatz kommen besteht die Möglichkeit nur die Weibchen der zukünftigen Witwer zu belichten, genau wie auch die Zuchtweibchen. Dann besteht kein Unterschied zum Legedatum, was dem Umlegen der Eier zugute kommt. Es kann dann aber passieren, dass der eine oder andere Reisevogel sein Gelege nicht befruchtet hat. Auch bei den Vögeln befinden sich die Keimdrüsen im Ruhezustand und benötigen im Winter viel mehr Zeit bis die Hoden eine ausreichend hohe Anzahl und mobile Spermien produzieren. Das wäre natürlich bei den Reisevögeln von denen man Junge haben möchte sehr ärgerlich.

Im Grunde sind Züchter die von der Zucht zum Reiseschlag Umlegen wollen also doch darauf angewiesen auch die Reisetauben im Winter zusätzlich zu Belichten. Dieses wird auch von vielen Züchtern mehr oder weniger lang praktiziert. Da ich selbst bei meinen Reisetauben im Winter nch nie den Tag verlängert habe, also damit keine eigenen Erfahrungen gemacht habe, möchte ich mich über eine Länge und Zeitraum nicht festlegen lassen.

Dennoch züchten meine Reisetauben auch im Winter bei einer Tageslängen von 12 Stunden und kommen sehr synchron und geschlossen nach rund 8-10 Tagen zum Legen. Jedoch wurde der Tag zuvor schon über den gesamten Herbst verlängert und nach dem letzten Wettflug die Tageslänge nur schrittweise verkürzt. Somit haben meine Tauben erst nach der Winterzucht ihren kürzesten Tag im Jahr der ja natürlicherweise der 21. Dezember ist. Übrigens bestimmt nach meiner Erfahrung der Tag ab dem die Tage wieder länger werden entscheidend mit das Werfen der ersten Feder. Wenn dieser Tag durch ein Lichtmanagement später ist, wird auch die erste Feder später geworfen. Ein wesentlicher Vorteil den man sich zunutze machen kann.

Übrigens gelingt diese Synchronisation am Besten mit Tageslichtlampen von ca. 8000 Kelvin die durch elektronische Vorschaltgeräte (EVG) flackerfrei gesteuert werden. Herkömmliche Neonröhren mit konventionellem Vorschaltgerät werden von Vögeln als Flackerlicht gesehen und das sollte man bei künstlicher Beleuchtung beachten.

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