SG Ullrich: Ein abwechslungsreiches Jahr

Seit Jahren spielen die Ullrichs auf hohem Niveau. Klaus, der heutige Senior des Teams, sein Sohn Torsten und dessen beide Söhne Simon und Leonard können auch 2020 auf beachtliche Erfolge zurückschauen. Wie im letzten Jahr stellte sich Simon bereitwillig unseren Fragen.

Die Reisesaison 2020

Die Saison 2020 war für uns alle keine leichte Saison. Nachdem zu Beginn alles fraglich war, konnten wir mit vierwöchiger Verspätung und angepasstem Flugplan starten. Es gab für unsere RV – nur – zehn Alttierflüge und vier Jungtierflüge. Die teilweise starken Rückenwinde machten besonders bei der Alttierreise die Flüge mit Fluggeschwindigkeiten von über 1800 m/min zum Teil sehr schnell. Dennoch konnten wir stets die höchsten Preisquoten der RV erreichen und fast alle RV-Meisterschaften gewinnen.

Ein persönliches Highlight folgte auf einen kleinen Tiefschlag, den wir so noch nie erlebt hatten: Beim 7. Flug mit den Alten erzielten wir ein Ergebnis von 73/15 Preisen über 328km. Der Flug war ein sehr schneller Flug mit über 2335 m/min für die ersten Konkurse der Liste. Unter den 15 Preistauben waren nur 2 Vs und 1 P. Für die Jährigen-Verbandsmeisterschaft hieß es damit: Keine Chance mehr auf eine tolle Platzierung, auf allen Ebenen. Der Flug war einfach viel zu schnell und wir hatten neben einer ungünstigen Lage auch ein bisschen Pech. Doch diese Begründung reicht uns in solch einem Fall natürlich nicht aus. Wir ließen die Tauben sofort untersuchen. Diagnose: Kokzidiose. Die Tauben wurden natürlich behandelt, am darauf folgenden Flugwochenende legten wir ein tolles Ergebnis mit 61/51 Preisen, beginnend mit den 2., 3., 8., 9., 28., 28., 30. Konkursen gegen 4123 Tauben in der Regio-Liste über 413 km hin. In der RV hatten wir sogar die ersten Konkurse 1., 2., 3., 4., 6., 6., 8., 10., 11., gegen 800 Tauben.

Wir fliegen nach der totalen Witwerschaft. Beim ersten Flug setzen wir etwa 100 Reisetauben. Von Flug zu Flug wird selektiert, sodass wir zum Ende der Saison bei etwa 60 Tauben ankommen, die geschickt werden. Wenn wir sehen, dass ein Partner sehr gut fliegt, bleibt der vermeintlich „schwächere“ Zuhause. Das kann dann auch schon mal ein Tier mit 6/7 Preisen erwischen. Wir sind da sehr sensibel in der Beobachtung unserer Asse. Die Jährigen werden behandelt wie die Alten. Sie werden nur in Ausnahmefällen geschont. Wir versuchen die jungen Vögel möglichst früh an ihre Zelle zu gewöhnen. Das erfolgt schon im September/Oktober, wenn alle getrennt und sortiert werden. Wenn es geht, dürfen sich die Jungen allein ihre Zelle suchen. Dazu kommen über ein paar Wochen nur die Jungvögel ins Witwerabteil. Die Altvögel kommen dann für eine gewisse Zeit auf einen anderen Schlag und ihre Zellen werden zugemacht.

Zuchtstrategie

Wir haben etwa 40 Paare, die meist in Linienzucht miteinander verpaart werden. Wir züchten aus der Blutlinie des Figo und Bliksem, kreuzen es gern mit dem „Black-Power-Blut“ von Hardy Krüger. Natürlich kommen Jahr für Jahr auch zwei bis fünf Neueinführungen dazu. Diese suchen wir kritisch aus. Wenn nach zwei Jahren keine überzeugenden Jungen fallen, trennen wir uns auch schnell wieder von gewissen Zuchttauben.

Wir versuchen etwa zehn Junge aus einer Taube zu ziehen, um danach über den Zuchtwert zu urteilen. Die besten Reisetauben kommen natürlich auch in die Zucht. So ziehen unser 413 und der 205 (ihrerseits 12. und 25. As-Vogel BRD) in unserem Abteil „Sonderzucht“ mit fünf Einzelboxen ihre Jungen groß. Diese As-Vögel haben sich bereits als zwei unserer stärksten Vererber erwiesen. Aus einem Weibchen ziehen wir pro Jahr maximal sechs Junge. Daher haben wir stets ein paar Zuchtweibchen mehr als Zuchtvögel.

Aktuelle Leistungsträger

Die 1811-18-748 W erzielt als einzige Taube der RV 10/10 Preise, wird bestes Weibchen der RV und 18. As-Weibchen im RegV. Vater ist unser o.a. Topvogel 1811-15-413. Die Mutter, 1811-16-167 war selbst auch eine tolle Reisetaube. Die 748 flog bereits jung 5/3 und jährig 12/9 Preise mit einem 33. über 235km gegen 5260 Tauben und einem 25. über 520km gegen 409 Tauben.

Das 2-jährige As Weibchen des RegV, und bestes Jähriges Weibchen der RV, die 1811-19-870 W fliegt 2020 10/9 Preise mit einem 17., 20., 27., 30. jeweils über 400 km. Sie wurde auch schon 2. As Jungtier im RegV mit 5/5 Preisen, konkret 5. 323km/1749 T.; 3. 170km/1553 T.; 12. 200km/1810 T.; 20. 126km/1094 T.; 69. 126km/1002 T. Sie ist eine Enkelin unseres „11-123“, ein Originaler Dieter Siebert und Vater wie Großvater vieler Topper auf unserem Schlag. Mutter der 870 ist die 1811-11-862, die selbst das JAK-Derby 2011 Sauerlandrennen als Erste im Finale gewann.

Ein weiterer kleiner Star ist der 1811-19-1722 V, bester jähriger Vogel der RV, 12-jähriger As Vogel im RegV. Der 1722 fliegt jung 5/4 Preise und Jährig 10/8 Preise mit einem 33., 36., 42., und 42. auf den Flügen über 400 bzw. 500 km. Vater ist unser 1811-13-205, Top-Vererber und seinerseits 25. AS Vogel des Verbandes im Jahr 2015. Wir können also auch in diesem Jahr wieder feststellen: „Zucht ist kein Zufall“. Aus Guten (Linien) fallen auch immer wieder gute Tauben.

Versorgung der Tauben

Angelehnt an den „7-Punkte-Plan“ der Firma Röhnfried versorgen wir die Tauben während der Reisesaison mit den drei Schwerpunkten Regeneration fördern – Immunität stärken – Stoffwechsel anregen – im Wochenverlauf von der Rückkehr bis zum Einsetzen. Ohne den Versorgungsplan im Detail vorzustellen (den bekommen interessierte Züchter gern per E-Mail von mir) kann ich vielleicht auf ein paar „Kniffe“ eingehen:

Bei der Rückkehr erwartet die Reisetauben ein voller Trog Mifuma Power Mix angereichert mit Hexenbier und Topfit Futterkalk. So bekommen die Tauben neben verschiedenen Zuckersorten über Propolis, Fructose, Maltose und Glucose auch wertvolle Kräuter und Mineralstoffe zur schnellen Regeneration. In der Tränke ist zur Ankunft das nicht wegzudenkende Rotosal, Elektrolyte und BT-Amin forte.

Für eine optimale Eiweißversorgung setzen wir am 1. und 2. Tag nach dem Flug K+K Protein ein. CarniSpeed gibt es an fünf Tagen pro Woche. Während der Wochen kommen noch Usne Gano, Hexenbier, Entrobac, Jungtierpulver, Atemfrei und Blitzform zum Einsatz. Seitdem wir Montag morgens Vitalo Top geben, haben wir das Gefühl, dass sie besonders zum Wochenbeginn noch schneller wieder in Fahrt kommen und noch ein bisschen besser trainieren. Wenn wir Flüge mit einer Flugzeit von über 4,5 Stunden erwarten, geben wir am Einsatztag geschälte Sonnenblumen mit Rotosal. Das hat schon super funktioniert!

Training der Tauben

Das Training ist eine spezielle Sache für sich. Konditionstraining erfolgt von Montag bis Donnerstag morgens je eine Stunde am Haus. Unter der Woche werden die Tauben je nach Wetter ein bis zwei Mal auf ca. 30 km gefahren um Routine für den „Flugablauf“ zu verinnerlichen. Am Donnerstag ist Familientag.

Stellenwert der Jungtauben

Die Jungtauben haben bei uns einen großen Stellenwert. Die Jungtierreise soll bestmöglich als Ausbildung für die Jährigen- bzw. Alttierreise genutzt werden. Die Jungen werden genauso reichhaltig versorgt, wie die Alttiere. Neben Produkten wie Entrobac, Jungtierpulver und OptiBreed für die Verdauung und das Immunsystem, setzen wir auf Usne Gano, Atemfrei und Avimycin forte für die oberen Luftwege und natürliche Vitalstoffe. Vitalo Top kommt sehr regelmäßig zum Einsatz, was den Appetit anregt und antiviral wirkt.

Die Jungtauben werden nicht nach Liste selektiert. Wir achten auf Vitalität und Gesundheit. Nach diesen Kriterien wird immerfort ausgesucht und, wenn nötig, auch selektiert.

Gefüttert werden die Jungen übrigens mit Top Jungtaube von Mifuma. Zum Wochenstart bis zur Wochenmitte wird die Hauptmischung je nach Bedarf und Gefühl mit der Mischung „Triumph“ etwas leichter gemischt.

Impfungen

Wir haben die Jungen zunächst gegen Salmonellose geimpft, gut zwei Wochen später gegen Paramyxo, Herpes und Adeno, weitere zwei Wochen später gegen Pocken. Auf den Impfstoff gegen Rotaviren haben wir bewusst verzichtet, da wir über zehn Jahre keinen schweren Verlauf der JTK hatten. Allenfalls kam die Krankheit nur kurz auf, weil wir sie zumeist schnell wieder im Griff hatten. In diesem Jahr erwischte unsere Jungen die JTK heftig. Ihren Höhepunkt hatte die Krankheit etwa drei Wochen vor dem ersten Jungflug. Wir konnten also an der Reise vom ersten Flug an teilnehmen, so richtig gut vorbereitet und austrainiert war die Mannschaft für unsere Ansprüche dennoch nicht. Wir hatten sogar einige wenige tote Junge dabei. In Zukunft werden wir auch gegen den Rotavirus impfen.

Was möchtest du unseren Lesern noch mitteilen?

„Weniger ist oftmals mehr und viel hilft nicht immer viel.“ Bevor ich jetzt gleich zwei Mal ins Phrasenschwein einzahle, möchte ich erklären, was ich damit unter anderem meine:

Wir haben in den letzten beiden Jahren 150 Jungtauben für unsere Reisemannschaft abgesetzt, nachdem wir noch einen Zusatzschlag angebaut hatten. Am Ende der Saisons 2019 und 2020 hatten wir nicht mehr Junge auf dem Schlag als in den Jahren zuvor, als wir 110 bis 120 Junge abgesetzt haben. Wir sind nun zum Entschluss gekommen, dass wir künftig nicht mehr als 120 Junge auf unseren Reiseschlag setzen. Aus Liebe zum Tier wollen wir unsere Verluste so gering wie möglich halten, dazu förderlich wird eine etwas kleinere Mannschaft sein.

Dass viele Meinungen von außerhalb nicht immer förderlich für den eigenen Erfolg sind, sollte jedem klar sein. Mein Tipp für alle Züchter, die noch erfolgreicher werden wollen, ist: wendet Euch respektvoll und freundlich an einen „Experten“, stellt Fragen und lasst euch Tipps geben. Macht euch natürlich stets eure eigenen Gedanken und schaut sensibel, wie eine Neuerung in euer schon gut funktionierendes System passen kann.

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