Fuchs/Wolf: Jahr für Jahr in Höchstform?

Die Spitzenzüchter der RV Mainspitze unweit der Tore Frankfurts vorzustellen, können wir uns hier sparen. Das Team um Oliver Fuchs dürfte mittlerweile in ganz Deutschland und über die Landesgrenzen hinaus bekannt sein. Schließlich spielen sie doch in einem der stärksten Regionalverbände unseres Verbandes: 450-Hessen Mitte. In diesem Regionalverband, der regelmäßig Top-10 Platzierungen auf Bundesebene stellt, muss man an der SG Fuchs und Wolf erst einmal vorbeikommen. Ich nehme eines vorweg: auch die Saison 2020 wurde erfolgreich abgeschlossen: 1. Regionalverbands-Meister intern (über die drei weitesten Flüge), 1. AS-Weibchen im Regionalverband; 1., 2., 3., 4., 5., 6., 8. bestes Weibchen im Regionalverband. – Wahnsinn!

Zwei Mannschaften – zwei Strategien

Der verspätete Beginn der Reise stellte alle Züchter vor die Frage: „Wie reagiert man jetzt richtig?“ Da die SG Fuchs und Wolf mit zwei getrennten Mannschaften spielt, konnten unsere Sportfreunde auch in zwei Varianten reagieren: „Die Tauben auf dem Schlag Fuchs wurden Ende April erneut angepaart und nach 4-5 Tagen brüten getrennt. Die Tauben von Johann Wolf wurden nach dem Absetzten der Jungen nicht erneut verpaart. Einen Unterschied in der Reiseleistung konnten wir aufgrund dieser Vorgehensweise weder am Anfang noch am Ende der Saison beobachten. Das mag aber an dem verspäteten Start der Saison liegen, wodurch die Tauben, die Junge aufzogen haben, mehr Zeit hatten, die Kondition zu steigern.“ Anzumerken sei noch, dass die Mannschaft Fuchs trocken gespielt wird, nur die Mannschaft Wolf zieht vor der Saison Junge auf.

Oliver konstatiert dennoch einen nicht ganz glatten Saisonstart: „Der erste Preisflug verlief für uns untypisch schlecht. Das muss das schlechteste Ergebnis auf einem Altflug aus den letzten zehn Jahren gewesen sein. Woran das jetzt gelegen hat, sei mal dahingestellt. Wir wussten aber, dass unsere Tauben in einer sehr guten konditionellen Form waren und laut Tierarzt auch nichts vorlag. Deshalb verfielen wir auch nicht in Panik und vertrauten weiter auf unser Konzept und unsere Tauben. Auf dem zweiten Preisflug hatten wir dann ein sehr gutes Ergebnis (41 Tauben bis zum 50. Konkurs gegen ~1000 Tauben).“ Von Flug zu Flug konnten im Verlauf der Saison 2020 tolle Ergebnisse erzielt werden, wenngleich Olli an mehreren Stellen feststellen muss, dass es eine ungewohnt holprige Saison war.

Die Chance, etwas Neues zu probieren

Der Tatsache geschuldet, dass Oliver und seine Schlagpartner in der vergangenen Saison beim Vorbenennen eher unglücklich tippten, wie sie selbst feststellten, gab es die Gelegenheit mal etwas Neues auszuprobieren. Auf Bundesebene war zur Spitze bereits ein relativ großer Rückstand und man hatte von vertrauten Sportfreunden etwas von einer „Wunderpille“ gehört.

Der erste 550km Regionalflug stand an und die drei Schlagpartner berieten sich. Olli und sein Vater Josef waren sich schnell einig, die Pille zu probieren. Johann Wolf war sich unsicher und zögerte noch, was er bereits bei der Ankunft der Tauben bereut hatte. Ich stelle Ihnen nun die originalen Worte von Oliver über seine ersten Erfahrungen mit den Flugfit Dragees zur Verfügung: „In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal die Flughoppers von Röhnfried eingesetzt. Probiert haben wir es zunächst nur an den Tauben auf dem Schlag Fuchs am Einsatztag des ersten 550km Regionalfluges.

Die Tauben wurden für diesen Flug am Donnerstag eingesetzt und am Samstag gestartet. Bei einer Geschwindigkeit von 1250m/min und 55 Minuten Konkurszeit kein leichter Flugverlauf. Am Ende konnten wir 94/64 Preise im Regionalverband gegen 4336 Tauben erzielen. Die Preisverteilung innerhalb unserer SG belief sich auf Fuchs: 45/34 Preise und Wolf: 49/30 Preise. Schon ein leichter aber kein gravierender Unterschied. Bei den Spitzenpreisen wurde es aber deutlich: 90% der Preise über 95 As-Punkte (Spitzenpreise) gingen an die Tauben aus dem Schlag Fuchs! Ebenso konnte auch der Regionalsieg durch die mit den Flughoppers versorgten Tauben errungen werden.

Um den Vergleich noch komplett zu machen, wurden am Endflug, erneut von 550km (1350m/min, 35 Minuten Konkurszeit), alle Tauben (Fuchs und Wolf) mit den Flughoppers am Einsatztag behandelt. Das Gesamtergebnis war schon sehr gut und verblüffte so manchen Konkurrenten. 91/63 Preise standen am Ende in der Preisliste mit der Aufteilung Fuchs: 44/31 Preise und Wolf: 47/32 Preise. Auch bei der Aufteilung der Spitzenpreise hieß es zu jedem Zeitpunkt 50/50. Im Nächsten Jahr wollen wir vermehrt die Flughoppers einsetzen, da uns der Effekt auf den beiden Flügen derart überzeugt hat.“ Die besagten Flughoppers, von denen Oliver spricht, heißen mittlerweile Flugfit Dragees.

Der Trainingsplan

„In den letzten Jahren haben wir das private Training mit den Alttauben extrem reduziert.“ Die Alttauben werden bis etwa 35km vor der Saison antrainiert. Bis zum dritten Preisflug werden die Tauben am Tag vor dem Einsetzen zum „Anfliegen“ auf denselben Ort bei etwa 35km gebracht. Während der Saison werden die Mannschaften nur noch in besonderen Fällen für das Training gefahren. – Zum Beispiel wenn ein Flug ausfällt oder wenn sich das Wetter stark ändert. Die SG Fuchs und Wolf legt ihren Fokus auf das Training am Haus: morgens und abends für jede Mannschaft etwa 60 Minuten.

„Bei den Jungtauben machen wir uns dafür von Jahr zu Jahr mehr Arbeit. Aber da auch nur mit den Jungen auf dem Schlag Fuchs. Die Jungen werden vor Reisebeginn etwa zehn Mal privat weggefahren.“ Oliver versucht auch seine Jungen in anderen RVen mitzusetzen, wenn es die Rahmenbedingungen zulassen. „Unter der Woche während der Saison werden die Jungtauben nicht noch zusätzlich privat weggefahren, da unsere RV schon seit längerer Zeit einen Zwischenflug von 80 km durchführt.“  fügt Olli hinzu.

„Mit der Zeit haben wir festgestellt, dass das wöchentliche Fahren während der Saison keinen weiteren Vorteil bringt, wenn die Tauben von sich aus am Haus schon super trainieren. Durch unser Versorgungskonzept mit den Röhnfried Produkten, hat sich das Trainingsverhalten unserer Tauben am Haus extrem verbessert.“ Auf die Ausbildung der Jungen wird im Hause Fuchs und Wolf großen Wert gelegt. Die Jungen sollen sich gut entwickeln und möglichst viel lernen. Sodass sie im Folgejahr bestmöglich ausgebildet in der Jährigenreise durchstarten können.

Medizinische Versorgung

„Die Behandlung gegen Trichomonaden ist die einzige Kur, die bei uns blind zum Anfang der Reise durchgeführt wird. Alles andere geschieht ausschließlich nach Befund durch den Tierarzt.“

Vorbeugend gegen Bakterieninfektionen setzt die SG Fuchs und Wolf auf die Präparate Hexenbier, Avimycin forte, Atemfrei und Entrobac. Außerdem wird regelmäßig Usne Gano gegeben um gegen Kokzidien vorzubeugen. Mit diesen Produkten wird der Einsatz von Antibiotika weitestgehend umgangen. Innerhalb der letzten zwei Jahre wurde keine bakteriologische Erkrankung festgestellt.

Was möchtet ihr unseren Lesern noch mitteilen?

„Die meisten erfolgreichen Züchter, die ich kenne, haben im Wesentlichen einen Plan, den sie schon seit Jahren anwenden und von Jahr zu Jahr nur noch Kleinigkeiten anpassen. Aus den erfolgreichsten Tauben wird weiter gezüchtet und aus den anderen nicht mehr. In einem so etablierten System lassen sich schnell neu eingeführte Produkte, Tauben oder ähnliches bewerten. Es gibt viele Beispiele von erfolgreichen Züchtern, die nach einem Totalverkauf oder Umzug nach wenigen Jahren wieder vorne stehen. Leistungsstarke Tauben kann man sich immer wieder über einen gewissen Zeitraum züchten, indem man immer nur aus den Besten weiterzüchtet. Wenn man aber kein Verständnis für den Umgang mit seinen Tieren entwickelt, wird man keinen Erfolg haben. Deshalb steht dieses Gefühl für mich an erster Stelle, dicht gefolgt von der guten Taube.“

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