Luc de Laere: Eine ordentliche Saison

2020 wird der ganzen Welt als ein Jahr in Erinnerung bleiben, in dem sich alle einschränken mussten und niemand dachte, dass so etwas passieren könnte. Dennoch: es mussten Anpassungen und Änderungen vorgenommen werden. Auch unser Taubensport blieb davon nicht verschont. Niemand wusste, wann wir wieder Wettflüge starten können und dennoch mussten wir in Vorbereitung auf einen möglichen Start und ein eventuell nach hinten verlegtes Ende agieren.

Strategie

Die Präventivmaßnahme war zunächst eine Verdunkelung der alten und jährigen Vögel. Luc verdunkelte vom 20. März bis zum 2. Mai. Dann wurden die Männchen für fünf Tage erneut gepaart, da die Witwen schon begannen, sich untereinander zu paaren. Deshalb werden diese Täubinnen 2021 wieder in eine offene Voliere auf Roste und nicht mehr in eine eher dunkle Innenvoliere ziehen, die womöglich die Paarungslust anregt. Schließlich scheint es, dass die Verdunklung bis zum 2. Mai gerade lang genug war, um die Witwer bis zum letzten Rennen am 15. August im Gefieder zu halten. Laut Planung für 2021 sollen die Männchen wieder verdunkelt werden, allerdings bis zum 10. Mai, da das nationale Programm eine Woche später beginnt. In den letzten Jahren spielte er diese Kolonie vor allem auf nationalen Wettflügen. Diese sind gegenüber anderen internationalen Flügen von größerer Bedeutung. Die Jungvögel wurden bis zum 21. Juni verdunkelt, was auch ausreichend schien, um sie bis zum 12. September im Gefieder zu halten.

Im Jahr 2015 hatte Luc einen Arbeitsunfall, wodurch die ganze Arbeit, die er vorher seinen Tauben gewidmet hatte, vereinfacht werden musste. Trotzdem erzielten seine Tauben weiterhin gute Resultate. Die wichtigsten Aspekte sind gesunde und gute Tauben, am liebsten alle aus demselben Stamm.

Vor dem Einkorben sehen die Männchen ihre Weibchen nie. Wenn sie vom Wettflug nach Hause kommen, dürfen sie drei bis vier Stunden zusammenbleiben, so bleibt die gegenseitige Bindung besser erhalten und die Täubinnen paaren sich weniger häufig untereinander. Die Reisemannschaft wird in drei Schritten bis 30 km und die Jungvögel in vier Schritten trainiert. Zwischen den Wettflügen fährt Luc seine Tauben nicht mehr weg, auch die Jungvögel nicht, was er früher getan hat. Die Ergebnisse sind deswegen nicht schlechter. Bevor er die Jungtauben mit dem Auto wegfährt, lässt er sie zweimal vor dem Schlag frei.

Die Witwer waren großartig

Am Montag, den 8. Juni, begannen endlich die ersten Trainingsflüge über 180km. Nach Wochen mit gutem Taubenwetter gab es am 8. Juni einen Wetterumschwung. Schlechtes Wetter. Die Tauben, die zurückkehrten, hatten rote Nasen und rote Augen, sodass Luc sofort mit Augentropfen reagieren musste. Am 14. Juni gab es einen Neuanfang mit einem kurzen Wettflug über 180km. Und damit kam der Erfolg. Er startete mit 1., 2. und 3. Plätzen gegen 465 Tauben, und seine Reisetauben kamen in sehr gutem Zustand an. Er punktete bei 40 von 54 Preisen in den Rennen. Es schien, dass die Tauben bereit waren. Am 20. Juni stand bereits ein Rennen über 400km auf dem Programm und auch das verlief gut. Es folgten sechs nationale Wettflüge nacheinander und die Tauben waren sehr erfolgreich.

Aktuelle Leistungsträger

Der absolute Überflieger war „Fideel BE16-3053741“, der in der nationalen Rangliste als bester westflämischer Täuberich die Rangliste über fünf und sieben nationale schwere Mittelstreckenflüge anführte. Jede Woche war dieser Vogel erneut dabei, unter anderem errang er den 2. Provinzsieg in seiner Karriere und dies in Argenton als 1. gegen 2.971 Altvögel. Als Jähriger gewann er bereits den 1. Provinzsieg in Châteauroux gegen 2.326 Jährige. Nach sieben Wettflügen der Männchen in Folge über 400km, darunter zwei über 500km, beschloss Luc, ihnen eine Woche Ruhe vor ihrem letzten Flug von Châteauroux zu gönnen. Dies schien eine schlechte Idee gewesen zu sein, denn nur „Fideel“ war siegreich, die anderen Vögel versagten. Könnte der Spruch „Wer rastet, der rostet“ hier vielleicht zutreffen? Luc denkt schon, und deshalb wird er ihnen nur im Falle eines katastrophalen Wettkampfs oder bei einem fatalen Misserfolg Ruhe geben, wenn sie erst am nächsten Tag ankommen.

Die besten Tauben sind immer noch die Nachkommen 3. und 4. Grades von „Tieke“ BE00-3010207, zusammen mit der Kreuzung mit den Gaby Vandenabeele-Tauben wie „Justine Bliksem“ als brillantestes Weibchen. Diese Vögel sind am besten auf den Wettkampfstrecken von 80 km bis 750 km sowohl auf Provinz- als auch auf nationalen Flügen. Diese Tauben können den intensiven Kraftaufwand eines Flugs von 400 oder 500 km Länge pro Woche leicht verkraften. Das gibt einen deutlichen Ausblick auf ihre Preisliste am Ende der Saison, und es ist auch viel einfacher, sie zu selektieren.

Die eigentlichen Top-Tauben sind:

Zuchtpaare

  • BE11-3115713 “Tiekes Bliksem”
  • BE11-3115645 “ Sproet Tieke”
  • BE10-3181446 “ De Late Baron”
  • BE17-3135065 “Perfect Glady”
  • BE13-3054671 “Perfecta”
  • BE16-3136295 “Bijou”

Reisetauben

  • BE16-3053741 “Fideel” schnitt sagenhaft in 2020 ab. Er kommt jetzt in den Zuchtschlag.
  • BE17-3021504 “ New Tieke”
  • BE19-3042112 “Little Benji”
  • BE19-3042247 “Tiekes Flash”
  • BE19-3042160 “Perfect Dream”

Die Jungvögel

Seit einigen Jahren schon bleiben die jungen Männchen und Weibchen zusammen, sodass Luc das Schiebetürsystem nicht mehr anwendet. Alle Jungtiere, die bis einschließlich zum 1. März abgesetzt wurden, müssen an den Flügen teilnehmen. Danach können etwa 15 bis 20 junge Männchen aus den besten Paaren nach draußen. Sie sind die Reserven für die Zukunft.

Um so schnell wie möglich mehr „frühe“ Jungtiere zu haben, werden die Eier der ersten Runde zu Ammentauben gebracht. Die Jungtauben werden auf drei Schläge verteilt. Diese drei Schläge werden in der Regel gemeinsam trainiert. Das Training beginnt Ende Mai. Dann kommen sie alle zusammen und bleiben für den Rest der Saison zusammen. Manchmal werden ihnen einige „falsche Eier“ untergeschoben, sodass diese Jungvögel zum Nestbau motiviert werden, aber das wird in Zukunft nicht mehr geschehen. Ob gepaart, auf dem Nest oder nur Single, das macht alles keinen Unterschied. Gute Gesundheit und Qualität sind hier die wichtigsten Zutaten, um mit den Jungvögeln erfolgreich Wettkämpfe zu spielen. Außerdem ist es viel einfacher, wenn sie alle zusammen trainieren, weil es viel weniger Zeit in Anspruch nimmt.

Impfungen & Kuren

Alle Tauben sind gegen Paramyxo und gegen Paratyphus geimpft. Vor der Paratyphus-Impfung gibt es eine Kur von zehn Tagen, danach wartet Luc fünf Tage, bevor die Vögel ihre Impfung erhalten. Werden die Jungtauben abgesetzt, werden sie gegen Paramyxo geimpft. Drei Wochen nach dem Absetzen der letzten Jungtauben erhalten sie eine zweite Impfung. Die letzten erhalten also zwei Impfungen innerhalb von drei Wochen. Die Jungtauben werden auch gegen Pocken geimpft.

Während der Reisesaison kommt der Tierarzt alle zwei Wochen zu Luc, um blinde Kuren zu vermeiden. Wenn etwas behandelt wird, geschieht dies immer auf Anraten des Veterinärs. Früher war die Kokzidiose ein Problem der Altvögel, aber dies scheint heutzutage vorbei zu sein. Er hat die Erfahrung gemacht, dass UsneGano über das Futter einen positiven Einfluss auf Kokzidiose hat. Er verwendet UsneGano nach dem Wettflug bei Ankunft im Schlag und setzt dies über die nächsten drei oder vier Fütterungen fort.

Versorgung der Tauben

Um sicherzustellen, dass sich die Tauben gut erholen, erhalten sie bei ihrer Ankunft Bt-Amin forte und Mumm ins Trinkwasser (Bt-Amin ist ein Multikomplex-Präparat bestehend aus Aminosäuren, Elektrolyten und Vitamin B). Im Futter verwendet Luc eine Kombination aus Gervit W, UsneGano und K+K-Proteinen. An den beiden Folgetagen erhalten die Vögel Hexenbier im Trinkwasser sowie UsneGano und Ro 200 (Ro 200 ist ein Konditionspulver) über das Futter. Sobald sie an den nationalen Flügen teilnehmen, bekommen sie Rotosal (Butophosphan in Kombination mit Oligosacchariden) im Wasser und am Tag vor dem Einkorben noch Blitzform. Jede Woche, vor Abflug und nach Rückkehr in den Schlag, erhalten sie Avisana-Nasentropfen. Täglich bekommen sie frischen Grit. Diese Mischung enthält Grit, Lecker-Stein, mineralisches Topfit und Sämereien. Während der Saison gibt Luc täglich Avidress Plus (Säure) zur Trichomonadenbekämpfung in die Tränke. Während der Saison, am Tag nach dem Flug, bekommen die Tauben einen gelben Tropfen in die Nase. Nächstes Jahr werden diese dem Futter beigemischt, damit er weniger Arbeit hat.

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